QUOTE:FROHNING

Hubertus Froning (Curator, Folkwang Museum Essen)
| 01. October 1991

Wenn wir von Helnwein sagen, er habe von aussen nach innen gemalt, dann heisst das,daß seine minutiöse und bohrend-insistierende Arbeitsweise, die die geschaute Wirklichkeit brutal interpretiert, eine hinter den Dingen im Verborgenen liegende Welt aufzudecken versucht.
Aus seinem Krisenbewusstsein, aus seiner Skepsis, aus der Qual des Beunruhigtseins, erwachsen Helnwein grauenerregende Bilder, sie geraten zum Peitschenhieb gegen einen aufgesetzten Positivismus, als dessen Treibfeder Profitdenken und Materialismus unserer hochgezüchteten Wirtschaftsgesellschaft verantwortlich zeichnen.
Aus einem intellektuellen Unbehagen gegenüber einem falsch verstandenen Fortschrittsglauben wählt der Künstler die Individualisierung, die sich dem weitgehend Unbekannten der Seele zuwendet. Helnweins Trauma einer kollektivistischen Gefährdung des Einzelmenschen lässt keine neutral wiedergebbahre Bilderwelt zu. Das gewohnte Erscheinungsbild des Menschen schlägt bei ihm um in ein Spiegelbild, das sich als Spaltbild, als eine Existenzstufe schmerzvoller Zerrissenheit des Kreatürlichen entlarvt. So erweist sich die geglaubte Wirklichkeit lediglich als Teilwahrheit.

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