International Press2007-2006
September 7, 2006
Berliner Zeitung
Carmen Böker
Im Spiegel unserer Schrecken
Gottfried Helnweins Wirken: eine kleine Werkschau in der Galerie Brockstedt
"Wie hält ein freundlicher Mensch wie Helnwein es aus, seine exzellente Malerei zum Spiegel der Schrecken des Jahrhunderts zu machen? Oder hält er es einfach nicht aus, das nicht zu tun?", so schrieb Heiner Müller einmal. Gottfried Helnwein, geboren 1948 in Wien, wurde bekannt mit grausam hyperrealistischen Bildern verwundeter, wie kriegstraumatisierter Kinder.
Er hegt zwar ein großes, sinistres Faible für Disney-Figuren (er malte beispielsweise den Schockrocker Marilyn Manson als böse Mickymaus), hat sich aber zeit seines Lebens sozialen oder gesellschaftspolitischen Anliegen sehr verpflichtet gefühlt. Auch "Der Schrei", ein Selbstporträt mit tief einschneidenden Wundklammern in den Augen (zu sehen auf dem Cover des Scorpions-Albums "Blackout"), zeigt eine Art umfassende Qual der menschlichen Kreatur.
Bei Brockstedt ist nun eine Helnwein-Werkschau zu sehen. Neben Federzeichnungen, Gouachen und Grafik - so die Plakatentwürfe für Zadeks "Lulu"-Inszenierung - werden 15 Acryl-Gemälde des Caravaggio-Bewunderers präsentiert, darunter eine Version vom "Schrei", das berühmte neonkalte Marlene-Dietrich-Porträt - und ein "Macbeth"-Diptychon, 1987 nach Uwe Barschels Tod im Hotel Beau Rivage entstanden. (cab.)
Vernissage am Sonnabend von 16-21 Uhr in der Galerie Brockstedt (Mommsenstr. 59). Danach ist die Ausstellung bis zum 21. Oktober jeweils Di-Fr 10-18 und Sa 10-14 Uhr zu besichtigen.
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Foto: Gottfried Helnwein: Pieta, 1997. Acryl auf Leinwand, 210 mal 310 Zentimeter.




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