International Press
August 30, 2010
General-Anzeiger
Bonn
Von Ulrike Strauch
Junge Bühne Bonn begeistert mit "Woyzeck"
Die Musik jedoch stammt in diesem Fall von Tom Waits - kongenial zu Büchners Welt. Und manche der Bilder, die einem weit über diese Aufführung im Gedächtnis bleiben, mögen in einer Minute an Munchs Schrei erinnern, in der anderen an Gottfried Helnwein oder an Pink Floyds "The Wall".
Beuel. Franz Woyzeck ist ein armer Teufel - ein Verlierer par excellence. Als Soldat tut er brav seinen Dienst. Doch weil sein Sold nicht reicht für die Freundin Marie und das gemeinsame Kind, verdient er als Barbier und Versuchsobjekt für dubiose medizinische Experimente dazu.
Eine Szene aus Woyzeck . Foto: Ursula Kaufmann
Während Marie nur davon träumt, all dem zu entkommen. Und das in einer Welt ohne Moral oder Gerechtigkeit. Wo es ums Fressen geht oder ums Gefressenwerden. Und wo es, um mit Georg Büchner zu sprechen, "in niemands Gewalt liegt, kein Dummkopf oder Verbrecher zu werden".
Sieht so etwa der passende Stoff aus, um gleichzeitig mit der Premiere auch das zehnjährige Bestehen der Jungen Bühne Bonn zu feiern? Die Antwort darauf ist in diesem Fall ein klares Ja. Denn was die 13 jungen Darsteller unter der künstlerischen Leitung von Tina Jücker und Claus Overkamp in der Brotfabrik aus Büchners Fragment gemacht haben, könnte sich auf jeder Bühne sehen lassen. Und ist als Collage aus Text, Musik und Choreografie zugleich auch typisch für die Produktionen, die in zehn Jahren am Theater Marabu zu sehen waren.
Um erstmals entlang einer literarischen Textvorlage auch neue Wege zu weisen. Was in diesem Fall schon bei der Besetzung beginnt. So brauchen Elias Emde, Max Herzogenrath, Niklas Maack, Tobias Marg und Laurin Thiesmeyer nur ihre Kopfbedeckung auszutauschen, um von Woyzeck über den Tambourmajor zum Arzt und wieder zurück zu wechseln.
Während es Marie in gleich achtfacher Ausführung gibt: Miriam Debets, Julia Honer, Sophie-Laura Keffel, Laura Kuntschke, Delphine Künsting, Veronika Maus, Jennifer Merten und Marie Wicht tragen ihr Spitzenkleid mal schicksalsergeben und mal kokett, binden das Haar zum Zopf und lassen es fliegen wie beim Hardrock.
Die Musik jedoch stammt in diesem Fall von Tom Waits - kongenial zu Büchners Welt. Und manche der Bilder, die einem weit über diese Aufführung im Gedächtnis bleiben, mögen in einer Minute an Munchs Schrei erinnern, in der anderen an Gottfried Helnwein oder an Pink Floyds "The Wall". Die Assoziationen mögen beliebig sein.
Büchners Sprache aber behält das Ensemble der Jungen Bühne bei und lässt ihr den nötigen Freiraum. Und wo zwei der Darsteller in der Mitte agieren und zwei weitere links und rechts am Mikrofon die Zeilen aus dem Off rezitieren, scheint sich damit auch deren Kraft zu verdoppeln. Mit dieser Version eines Klassikers hat sich die Junge Bühne Bonn ein mehr als angemessenes Geschenk gemacht.
Auch am 22. und 23. September in der Brotfabrik. Weitere Termine unter www.theater-marabu.de. Karten unter der Telefonnummer (02 28) 4 33 97 59.
Artikel vom 30.08.2010




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